Saisonfazit! Was war gut, was war schlecht beim HSV 2009?

Vor gerade mal sechs Wochen hat der HSV Manchester City mit 3:1 aus dem Volkspark gefegt. Tausende City-Fans torkelten danach ausge- und ernüchtert aus dem Stadion. Wenige Wochen vor dem Triple brach in der Stadt eine entsprechende Fußballeuphorie aus. Fans und Presse feierten und lobten Mannschaft und Trainer. Alles gut beim HSV?

Vor zwei Wochen verlor der HSV warum auch immer im Uefa Cup gegen Bremen und dann auch wenige Tage später verlor der HSV demoralisiert in der Liga in der verbotenen Stadt. Nur drei Wochen nach dem Weiterkommen in Manchester lieferten einige Spieler der Presse eine Steilvorlage, als sie die mangelnde Qualität im Kader bemängelten und stellten sich damit quasi selbst ins Abseits. Die Wintereinkäufe wurden für die Misere verantwortlich gemacht und dem zuvor hochgelobten Trainer einige Aufstellungsfehler vorgehalten. Alles schlecht beim HSV?

Samstag semmelt Piotr Trochowski in der 91. Minute einen Ball aus unmöglichen Winkel und aus dem Abseits in das Frankfurter Gehäuse. Der HSV erreicht so nun doch noch die Europa League. Doch alles gut beim HSV?

In diesen Wochen, in der die Stimmung beim HSV rasant zwischen weiß und schwarz und wieder weiß pendelt, habe ich mal zusammengestellt mir an dieser Saison gefallen hat und was nicht.

Das war gut beim HSV:

  • 61 Punkte sind 7 Punkte mehr als im Vorjahr. Mit dieser Punktzahl hätte der HSV sich in den letzten 10 Jahren viermal für die Champions League qualifiziert.
  • Mit Martin Jol haben wir einen netten Trainer mit Qualität und Erfahrung. So wenig Ärger wie in diesem Jahr gab es im Kader wohl noch nie.
  • 1,4 Millionen Zuschauer kamen in den Volkspark. 28 Heimspiele gabs auch noch nie.
  • Aus den Transfers hat Dukaten-Didi 20 Millionen in die Kasse geholt.
  • Das Stadion hat bald wieder 61.000 Plätze.
  • 5x waren wir Tabellenführer, zuletzt sogar „kurz vor Schluß“ am 21. Spieltag.
  • Ivica Olic hat Werder im Herbst mit einem Tor des Monats aus dem Volkspark geballert.
  • Schachtjor Donezk hat verdient den Uefa Cup gewonnen.
  • Wir haben schon wieder die Bayern geschlagen und in München wieder nicht verloren.
  • 19,5 Millionen Euro wird wohl nie wieder ein Verein für einen Spieler wie Nigel de Jong erlösen.
  • Mit Amsterdam, Villa, Istanbul und Manchester waren namenhafte Gegner zu tollen Europacupabenden¬† im Stadion.
  • Die Aussichtsratswahl hat die kontinuierliche Arbeit im Vorstand nicht gefährdet. Für langfristigen Erfolg ist nun einmal wichtig, daß auf den wichtigen Posten gute Leute lange Arbeiten können.
  • Vier Heimspiele im DFB Pokal waren Losglück. Im Halbfinale hätte es aber auch erstmal Mainz sein können.
  • Die ausgefallene Fahrt nach Istanbul hat wohl rund 800 Euro gespart. Das Geld hätte ich aber gerne ausgegeben, zumal wir gegen Donezk Chancen gehabt hätten.
  • Egal wie wir nächstes Jahr kicken: Das Europa League Endspiel ist im Volkspark!
  • In den Neunzigerjahren hätten wir mit Mohamed Zidan, Vincent Kompany und Thiago Neves Auflösungsverträge vereinbart und Abfindungen gezahlt. Jetzt haben wir für die Gurken fast 20 Millionen Euro kassiert.
  • In der Nachspielzeit der Saison gibt es kein Abseits.
  • Wenn man das Hinspiel im Uefa Cup in Bremen mal isoliert sieht, war das ein grandiose Auswärtsfahrt.
  • Dadurch, daß wir nicht mit Pokalen zugeworfen worden sind, wird eine vorzeitige Vertragsverlängerung mit Martin Jol wohl erst möglich und jetzt auch wahrscheinlich.
  • Das Minimalziel Europa League haben erreicht. Dazu gabs noch 2x Halbfinale.
  • Erste Saison mit Fußballzwitschern war unterhaltsam. Dafür ein Dankeschön an die Twitterer mit der Raute im Herzen rothosen, pleitegeiger, hschmidt, hsvmex, nedfuller, kbojens, elbview, norman usw. nicht zu vergessen curious, der zwar mit dem Stadtteilverein fiebert, aber mit seinen Antipathien gegen Brähm und aufbauenden Tweeds nach den Debakeln zur Stelle war.
  • Köln ist und bleibt eine sichere Adresse für erfolgreiche Auswärtsfahrten.
  • Letztendlich sich wir wieder in der europäischen Liga gelandet in die wir gehören.
  • Wir sind in den Top 20 von Europa (kaum zu glauben als 5. in D).

Und das war schlecht beim HSV:

  • Statt 20 Millionen auf dem Konto hätten wir lieber zwei Spieler auf dem Platz gehabt. Aber die gab der Markt im Winter nicht her.
  • Gegen Saisonende (vor allen Dingen gegen Bremen) waren nicht alle Aufstellungen von Jol so doll.
  • Die 0:3s in Hannover, Hoffenheim und Wolfsburg waren grausam und die Stellungsfehler unserer Innenverteidiger werden sicher in Lehrvideos aufgenommen.
  • Ivica Olic verdient nun noch mehr in München.
  • Bildstörungen im HSV TV ausgerechnet zu den Toren waren wirklich blöd.
  • Unsere Stürmer sind zwar ok, aber 49 Tore in der Liga sind dann doch zu wenig.
  • Nächstes Jahr wollen wir mehr Freitagsspiele, da waren wir dieses Jahr ungeschlagen.
  • Mit der Europa League wird hoffentlich das alkoholfreie Bier abgeschafft.
  • Eine Tordifferenz von +2 als Fünfter ist eher peinlich.
  • Wie jedes Jahr gibts gegen Saisonende komische Heimpleiten (letztes Jahr Duisburg, davor Bochum, nun Köln).
  • Obwohl bekannt ist, daß das 15.000 Euro kostet, zündeten irgendwelche Idioten zweimal Rauchbomben in Bremen.
  • In Gladbach wurden wir 1:4 abgeschlachtet.
  • Wir haben in Karlsruhe eine 2:0 Führung aus der Hand gegeben. In Frankfurt auch, aber der hat sich der Fußballgott dann eingeschaltet.
  • Die Geschichte mit Bremen verlief eher unglücklich.
  • Elfmeterschießen ist die Sache vom HSV weiterhin nicht.
  • Der Rathausmarkt wird in diesem Jahr wieder nicht sinnvoll genutzt.
  • In der Champions League haben wir (Uefa-Cup Halbfinalist hin oder her) noch nichts zu suchen.
  • Ich wäre am Samstag sehr gerne nach Berlin gefahren.

Fehlt was?

Saisonfazit: Die Enttäuschungen nach dem Pokalaus und Uefa Cup waren riesig und gehören zu herbsten Enttäuschungen bisher mit dem HSV. Schlimmer war eigentlich nur als wir 84 gegen Frankfurt überheblich den Titel verdaddelt haben oder die Uefa Cup Pleite gegen Göteburg hier in Hamburg. Egal. Nach der Saison überwiegen trotzdem die guten Dinge. Der Aufstieg ist beschwerlich, aber es ging trotz eines heftigen Sturzes in diesem Jahr zumindest etwas bergauf.

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